Wie hoch ist der ideale Wareneinsatz in Prozent (und warum es nicht die eine Zahl gibt)
Welcher Food-Cost-Prozentsatz ist gesund? Die Spannen je nach Betriebsart, die Warnsignale und wie du deinen durchschnittlichen Wareneinsatz richtig deutest.
"Aber wie hoch soll mein Wareneinsatz denn nun sein?" ist wohl die Frage, die sich jeder Gastronom früher oder später stellt. Die kurze Antwort lautet: kommt darauf an. Die nützliche Antwort: Es gibt eine gesunde Spanne — grob zwischen 28% und 35% auf die Speisen — aber diese Zahl verschiebt sich deutlich, je nachdem, welchen Betrieb du führst.
Das Problem, wenn man dem "idealen Prozentsatz" hinterherjagt: Man starrt auf eine abstrakte Zahl statt auf den eigenen Betrieb. Eine Cocktailbar und ein bürgerliches Wirtshaus mit demselben Gesamt-Food-Cost können völlig unterschiedliche Situationen haben. Schauen wir uns an, wie du diese Zahl liest, ohne dich täuschen zu lassen.
Die Richtwert-Spanne (und warum sie nur ein Startpunkt ist)
In der Gastronomie mit Tischservice gilt ein Gesamt-Wareneinsatz zwischen 28% und 35% als gesund. Unter dieser Schwelle arbeitest du meist sehr gut am Wareneinsatz; darüber wird die Marge enger und es lohnt sich zu verstehen, warum.
Aber Achtung: Diese Spanne gilt als Durchschnitt des ganzen Betriebs, nicht Gericht für Gericht. Innerhalb eines Gesamt-Food-Costs von 32% leben ein Kaffee mit 10% und ein Zanderfilet mit 40% problemlos nebeneinander. Es ist ihre Kombination — gewichtet nach dem, was du von jedem verkaufst — die am Ende die Zahl ergibt.
Deshalb ist die Spanne 28-35% ein Ausgangspunkt, kein Ziel. Sie sagt dir, ob du überhaupt im richtigen Spielfeld bist; die eigentliche Arbeit ist danach, deine Zahl und ihre Bestandteile zu kennen.
Wie sich der Wert je nach Kategorie verändert
Der "gesunde" Wareneinsatz ist nicht für alle gleich. Er ändert sich mit dem, was du verkaufst:
- Getränke und Kaffee: sehr niedriger Food Cost. Ein Espresso für 1,50 € kostet dich in Bohnen 15-20 Cent: Das ist ein Wareneinsatz von rund 12-18%. Ein sauber kalkulierter Cocktail liegt selten über 20-25%. Hier steckt oft die fetteste Marge des Betriebs.
- Vorspeisen und Beilagen: eher niedrig. Zutaten sind günstig im Verhältnis zum Verkaufspreis, viele einfache Vorspeisen bleiben bequem unter 30%.
- Nudel- und Teiggerichte: in der Regel großzügig. Teig, Reis und Saucen sind günstig und tragen niedrige Food-Cost-Werte.
- Fleisch und Fisch: hier geht es hoch. Ein frischer Fisch oder ein edles Stück Fleisch kann den Wareneinsatz auf 38-45% oder mehr treiben — und das ist normal. Die Marge in Euro kann trotzdem hervorragend sein, aber der Prozentsatz erschreckt, wenn man ihn isoliert betrachtet.
Die Lektion ist einfach: Eine ausgewogene Karte mischt Gerichte mit niedrigem Food Cost (die den Schnitt heben) und Gerichte mit hohem Food Cost (die vielleicht Erlebnis und Bonhöhe bringen). Den Prozentsatz einer einzelnen Kategorie aus dem Zusammenhang zu reißen, führt zu falschen Entscheidungen.
Warum es keine magische Zahl gibt
Stell dir zwei Betriebe mit demselben Gesamt-Food-Cost von 33% vor.
Der erste ist ein Wirtshaus, das von Teiggerichten und Wein lebt: hohe Margen auf die Speisen, aber Miete in der Innenstadt und viel Servicepersonal. Der zweite ist ein Grillrestaurant, das stark auf Fleisch setzt: höherer Food Cost je Gericht, aber große Mengen und ein schlanker Service.
Gleiche 33%, zwei völlig verschiedene Rechnungen. Die Zahl allein sagt dir nicht, ob du verdienst — das sagt sie dir nur, wenn du sie im Kontext deines Betriebs liest: Miete, Personal, Mengen, Art des Angebots.
Deshalb geht es nicht darum, einen aus dem Lehrbuch abgeschriebenen Wert zu treffen, sondern deine normale Spanne zu kennen und sofort zu merken, wenn du sie verlässt.
Die Warnsignale
Es gibt allerdings Schwellen, die — unabhängig von der Betriebsart — sofortige Aufmerksamkeit verdienen:
- Ein Gericht über 65% Wareneinsatz. Hier ist die Marge so dünn, dass ein bisschen Verschnitt oder eine großzügige Portion reicht, um mit diesem Gericht ins Minus zu rutschen. Es muss sofort neu kalkuliert oder überarbeitet werden.
- Marge unter null. Wenn die Zutatenkosten den Verkaufspreis übersteigen, verlierst du bei jedem Verkauf Geld. Das passiert häufiger als gedacht, wenn Lieferanten anziehen und die Preise stehen bleiben.
- Gesamt-Food-Cost, der Monat für Monat steigt. Aus 30% werden 33%, dann 36% in wenigen Monaten — das ist ein Alarm: nicht weitergegebene Preissteige- rungen, wachsender Verschnitt oder Portionen außer Kontrolle.
Ein konkretes Beispiel: Ein Fischgericht, verkauft für 18 €, mit einem durch Lieferantenpreise auf 12 € gestiegenen Wareneinsatz, hat einen Food Cost von 67%. Es lässt dir 6 € Rohmarge, die zwischen Zubereitungszeit und Abschnitt leicht verpuffen kann. Dieses Gericht redet mit dir: entweder Preis rauf, oder Rezept ändern, oder es fliegt von der Karte.
Wie du deinen durchschnittlichen Wareneinsatz liest
Den durchschnittlichen Food Cost des Betriebs berechnest du, indem du für einen Zeitraum vergleichst, wie viel du für Wareneinsatz ausgegeben und wie viel du eingenommen hast:
Durchschnittlicher Food Cost % = (Wareneinkauf ÷ Umsatz aus Speisen) × 100
Wenn du in einem Monat 9.000 € für Wareneinsatz ausgegeben und 28.000 € mit Speisen eingenommen hast, liegt dein durchschnittlicher Food Cost bei 32%. Du bist in der gesunden Spanne. Aber die Zahl allein reicht nicht: Die nächste Frage ist warum sie auf diesem Niveau liegt. Ziehen die Fleischgerichte sie hoch? Ist es der Verschnitt in der Küche? Sind es die Getränke, die sie eigentlich senken sollten und durch zu viele Rabatte wenig bringen?
Der durchschnittliche Food Cost ist das Fieber: Er sagt dir, dass etwas ist — nicht was. Um das Was zu finden, musst du bis zum einzelnen Gericht hinunter.
Ihn dauerhaft im Blick behalten
Der Food Cost ist kein Foto, sondern ein Film. Lieferanten ändern Preise, Jahreszeiten verschieben Kosten, die Karte entwickelt sich. Ein gesunder Betrieb kontrolliert seine Spanne regelmäßig und steuert nach, bevor die Marge dünn wird — nicht am Jahresende, wenn es schon zu spät ist.
Das von Hand zu machen, Gericht für Gericht, jedes Mal wenn eine Rechnung kommt, ist der Teil, auf den niemand Lust hat. AFLUYO liest deine echten Lieferantenrechnungen, berechnet Food Cost und Marge jedes Gerichts und aktualisiert die Zahlen, wenn sich Preise ändern — so siehst du sofort, wenn ein Gericht deine gesunde Spanne verlässt. 7 Tage gratis testen, ohne Karte.